10.07.2019 / Politik / /

Der Platz zur Begegnung ist da, die Leute nicht

Ein Bericht aus dieOstschweiz.

Der Marktplatz St.Gallen in der Verlängerung Richtung Blumenbergplatz ist befreit von Parkplätzen. Und auch befreit von Menschen. Ein CVP-Kantonsrat dokumentiert die «Belebung» der Innenstadt derzeit fleissig mit Bildern auf Facebook.

Der CVP-Kantonsrat Christoph Bärlocher ist oft in der St.Galler Innenstadt unterwegs. Seit einigen Tagen zückt er konsequent sein Handy und macht eine Aufnahme von der Verlängerung des Marktplatzes in Richtung Blumenbergplatz, dort, wo einige Markthäuschen stehen und wo bis vor wenigen Monaten Autos parkiert werden können. Seine Motive zeigen vor allem eines: Gähnende Leere.
Dabei sollte hier mit dem Verschwinden der Autos ein belebter Teil der Innenstadt stehen. Mit flanierenden Menschen, die sich auf der kunstvollen Sitzbank niederlassen, die hier montiert wurde. Wiederkehrende Besucher auf den Bildern sind allerdings nur die Tauben, die nach wie vor Freude am Platz haben, obschon sie vermutlich weniger zu fressen finden als früher.

«Ich kann nicht anders – schon wieder hier und Marktplatz ohne Parkplatz, keine Leute…die einzige Konstante sind hier die Tauben…», schreibt Bärlocher auf Facebook. Seine Momentaufnahmen haben System: Auch ausserhalb der Zeiten, in denen Bärlocher unterwegs ist, zieht der autofreie Bereich kaum Leute an, wie wir es in den Anfängen bereits satirisch vermeldet haben.

Einer der Kommentatoren auf Facebook zeigt sich überzeugt, dass das schon noch kommen wird. Belebungsmassnahmen brauchen ihre Zeit, meint er. Dass allerdings die Leute, die sich auf dem Marktplatz fliegend verköstigen, bisher nicht gemerkt haben, dass sie sich in diesem Bereich niederlassen könnten, ist nicht anzunehmen. Vielleicht braucht es also keine Zeit, sondern nur die Erkenntnis: Der Versuch, auf Kosten von Parkplätzen eine Belebung zu erreichen, ist gescheitert.

Wohlgemerkt: Die Aufnahmen entstanden bei schönstem Wetter, das dazu einlädt, sich draussen niederzulassen. Zwar während der Ferienzeit, aber das Bild ist dasselbe wie in den Wochen vor den Ferien.

Nachtrag: Das Schöne an unserer niederschwelligen Demokratie ist, dass sich auf Facebook inzwischen auch die zuständige Stadträtin Maria Pappa eingeschaltet hat. Sie argumentiert – korrekterweise -, dass die Aufhebung der Parkplätze am Marktplatz auf einen Entscheid des Stadtparlaments zurückgeht.

 

Platz